Forschungsschwerpunkte

Im Rahmen folgender Forschungsschwerpunkte können wir Studenten mit Fachwissen und technischen Hilfsmitteln unterstützen, die Interesse an einem Projektpraktikum, einer Bachelor- oder Diplomarbeit in einem dieser Bereiche haben:

Serious Games and Gamification in HCI Research

Serious Games sind Spiele, deren primärer Zweck über bloße Unterhaltung hinausgeht. Beispielsweise wurden Motivation, Konzentration und spielerisches Verhalten in Serious Games verwendet, um wissenschaftliche Fragen zu klären, Probleme zu analysieren, und Lerninhalte zu vermitteln. Ein ähnliches Konzept, das häufig mit Serious Games in Verbindung gebracht wird, ist Gamification: Hierbei handelt es sich um die Verwendung von Spielelementen und Spielprinzipien in Anwendungen ausserhalb eines spielerischen Kontexts, z.B. zur Steigerung der Motivation oder Produktivität.

In diesem Forschungsschwerpunkt verfolgen wir das Ziel, Serious Games und Gamification in empirischen Studien im Bereich der Human Computer Interaction zu instrumentalisieren. Dieser Ansatz bietet die Möglichkeit, innerhalb eines Spiels menschliches Verhalten in kontrollierten Situationen anzuleiten und beobachten zu können, bspw. indem Spieler vor eine Entscheidung gestellt werden oder indem sie als Teil des Spiels eine Aufgabe lösen sollen. Vielversprechend dabei ist die Aussicht, umfangreiche Daten von vielen Spielern auch über eine längere Zeit hinweg erheben zu können. Herausfordernd sind in diesem Zusammenhang die erfolgreiche Einbettung von Forschungsfragen in die Gestaltung eines Spieles, das auch unterhaltsam sein soll, sowie die Evaluierung der Validität von solcherart erhobenen Daten.

Konkrete Themen für Praktika, Bachelor- und Diplomarbeiten reichen je nach Vorkenntnissen und Interessen vom Gamedesign bis zur Planung und Durchführung empirischer Studien.

Sollten Sie sich für ein Praktikum oder eine Arbeit in diesem Bereich interessieren, dann wenden Sie sich bitte mit Ihrem Themenvorschlag und einem kurzen Motivationsschreiben an deco-teaching@inso.tuwien.ac.at.

Trust

Vertrauen ist eine wichtige Voraussetzung für Human-Computer Interaction. Denn Informationstechnologie (von Softwareanwendungen bis zur Hardware) ist derart komplex, dass es Laien und in den meisten Fällen auch Experten unmöglich ist, sie in Ihrer Gesamtheit zu verstehen. Die Nutzung von IT-Produkten oder Services erfordert deshalb notwendigerweise Vertrauen der Benutzer in das jeweilige Produkt und seinen Hersteller.

  • Von praktischem Interesse in UI Design und Systems Engineering ist es, Produkte so zu gestalten, dass sie als vertrauenswürdig wahrgenommen werden. Offene Fragen diesbezüglich betreffen Qualitätskriterien, Guidelines und Best Practices. Eine Herausforderung ist, dass bei persuasiv vertrauenswürdig erscheinenden Designs (bspw. professionelles Graphikdesign und Verwendung von mit Sicherheit assoziierten Bildern) die Gefahr missbräuchlicher Verwendung hoch ist (wenn z.B. das selbe Design in einer gefälschten Phishing-Seite verwendet wird). Nachhaltig vertrauenswürdiges Design kombiniert daher persuasive Elemente mit Schutzmechanismen, um Missbrauch zu vermeiden (bspw. Überprüfbarkeit der Authentizität einer Internetseite oder Nachricht mit Hilfe von kryptographischen Verfahren).
  • In wissenschaftlichen Interesse ist es, im Kontext von Human-Computer Interaction die Rolle von Vertrauen bei der Verwendung von IT-Systemen besser zu verstehen und messbar zu machen. Das betrifft sowohl Vertrauen als kognitive oder emotionale Haltung, als resultierendes Benutzerverhalten und Technology Acceptance.

Praktika, Bachelor- und Diplomarbeiten auf dem Gebiet “Engineering of Trust” sind an konkreten Design/Engineering-Aufgaben und an empirischen Studien möglich. Mögliche Domänen sind bspw. Banking / e-Payment, sichere Nachrichtenübermittlung und Fake News.

Sollten Sie sich für ein Praktikum oder eine Arbeit in diesem Bereich interessieren, dann wenden Sie sich bitte mit Ihrem Themenvorschlag und einem kurzen Motivationsschreiben an deco-teaching@inso.tuwien.ac.at.

Banking

Für Endkunden ist Banking in den letzten Jahren zu einem sehr unmittelbaren und facettenreichen Erlebnis geworden. Aus der Sicht von Human-Computer Interaction bringt dieses Anwendungsgebiet spannende Herausforderungen mit sich, da den Benutzern komplexe, fachliche Sachverhalte in leicht verständlicher Sprache vermittelt werden sollen und geeignete Interaktionsmetaphern und -modalitäten gefunden werden müssen, die eine intuitive Benutzung ermöglichen. Herausforderungen sind dabei Abwägungen zwischen Security und Usability, aber auch regulatorische Vorgaben, die einerseits Einschränkungen aber auch neue Möglichkeiten des Bankings mit sich bringen, sowie die breite Zielgruppe – Banking ist für die meisten Menschen eine Notwendigkeit.

Oft und berechtigterweise spielt das Thema Sicherheit eine übergeordnete Rolle und nimmt in der Praxis die Rolle des Gegenspielers zum Thema Usability ein. Systeme, die extrem sicher konzipiert worden sind, verlangen von Benutzern meist unüblich viele Absicherungsmaßnahmen oder ein tiefergehendes technisches Verständnis. Zugleich verändern sich die rechtlichen Vorgaben, Richtlinien und Standards in diesem Bereich besonders schnell, wodurch der Bedarf für eine schnelle Anpassung an Rahmenbedingungen besteht. Neben Security haben auch Performance und Verfügbarkeit der Systeme (also Faktoren, die primär nicht dem Bereich HCI zugeordnet werden) maßgeblichen Einfluss auf die Benutzerakzeptanz.

Wissenschaftliches Ziel im Forschungsschwerpunkt Banking ist daher die Gestaltung von neuartigen User Interfaces, Interaktionskonzepten und Verfahren mit hoher Usability als auch Security, beispielsweise in den folgenden Bereichen:

  • Zukünftige Verfahren der Bezahlung am POS (Point-of-Sale)
  • Neuartige Interaction-Metaphors in Banking Systemen
  • Interaktionensformen im Bereich von P2P Überweisungen (Peer-to-Peer)
  • User Interfaces zur Visualisierung von Vermögen für unterschiedliche Zielgruppen
  • Multi-Faktor Authentifizierungs- und Freigabeverfahren

Konkrete Themen für Praktika, Bachelor- und Diplomarbeiten sind im Bereich “Banking” sowohl für den Mobile- als auch den Desktop-Kontext möglich und strukturieren sich in die Ausarbeitung von Design/Engineering-Aufgaben und die Durchführung von empirischen Studien.

Kombinationen mit anderen Forschungsschwerpunkten wie Trust und Serious Games sind möglich und werden angestrebt. Im Bereich des Forschungsschwerpunkts Banking besteht zusätzlich eine intensive Kooperation zwischen DECO (Designing Comfort) und BABA (Balancing Banks) – siehe auch aktuelle Ausschreibungen der BABA.

Sollten Sie sich für ein Praktikum oder eine Arbeit in diesem Bereich interessieren, dann wenden Sie sich bitte mit Ihrem Themenvorschlag und einem kurzen Motivationsschreiben an deco-teaching@inso.tuwien.ac.at.

Innovative Texteingabeverfahren und textbasierte Interaktion

Die Eingabe von Texten ist eine der grundlegendsten Formen der Interaktion mit einem Computer. Egal ob wir in einem Terminal-Fenster arbeiten, einen Suchbegriff in Google eingeben oder unseren Freunden in WhatsApp eine Nachricht schreiben, die Eingabe von Text spielt dabei immer eine zentrale Rolle. Während sich am PC die physische Tastatur, meist mit QWERTY-Layout, am erfolgreichsten behaupten konnte, sind physische Tastaturen heute weitgehend von Smartphones verschwunden. Die rasante Verbreitung von Smartphones und Tablets mit Touchscreens bringt neue Herausforderungen, aber auch großes Innovationspotential für Texteingabemethoden. Virtuelle On-Screen Keyboards, meist ebenso im traditionellen QWERTY-Layout, mögen zwar die größte Verbreitung haben, doch innovative Ansätze wie Swype, kontextuelle Keyboards oder gestenbasierte Texteingabemöglichkeiten offenbaren die Innovationsmöglichkeiten bei der Gestaltung von virtuellen Tastaturen. In jüngerer Vergangenheit eröffnen außerdem Fortschritte im Bereich des Natural Language Processing neue Möglichkeiten der Texteingabe, wie auch der textbasierten Interaktion mittels natürlicher, gesprochener Sprache.

Ziel dieses Forschungsthemas ist die Auseinandersetzung mit innovativen Texteingabeverfahren und textbasierter Interaktion, von der Entwicklung neuartiger Ansätze über die Evaluierung unterschiedlicher Verfahren bis hin zur Analyse und Weiterentwicklung der Evaluierungsmethodik von Texteingabeverfahren an sich.

Sollten Sie sich für ein Praktikum oder eine Arbeit in diesem Bereich interessieren, dann wenden Sie sich bitte mit Ihrem Themenvorschlag und einem kurzen Motivationsschreiben an deco-teaching@inso.tuwien.ac.at.

Eye Tracking

Eye Tracking erlaubt die Feststellung und Aufzeichnung der Blickbewegungen eines Betrachters vor einem Bildschirm. Dies erlaubt z.B. die Analyse von Bildwahrnehmung oder Bewegungswahrnehmung und damit verbundener Studien. Weiters stellt Eye Tracking einen interessanten Input-Mechanismus für Computersysteme dar, wobei sich in der Vergangenheit insbesondere Anwendungen aus dem Bereich der Accessibility und der Videospiele dieser Eingabemöglichkeit bedient haben.
Innerhalb unseres Forschungsschwerpunkts sind verschiedene Aufgabenstellungen für Projektarbeiten, Bachelorarbeiten oder auch Diplomarbeiten möglich:

  • Entwicklung und Evaluierung von neuartigen Interaktionskonzepten mittels Eye Tracking, entweder in Ergänzung zu oder als Ersatz für bestehende Eingabemechanismen
  • Durchführung von Eye Tracking Studien zur Aufzeichnung und Analyse des Blickverhaltens von Benutzern zur Evaluierung und Verbesserung von User Interfaces
  • Entwicklung von Tools zur Analyse, Visualisierung und Auswertung von Eye Tracking Daten

Sollten Sie sich für ein Praktikum oder eine Arbeit in diesem Bereich interessieren, dann wenden Sie sich bitte mit Ihrem Themenvorschlag und einem kurzen Motivationsschreiben an deco-teaching@inso.tuwien.ac.at.